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Wohin geht die Reise?
Die fünf Wirtschaftsweisen prognostizieren für das Jahr 2004 ein Wachstum von gut 1,5%. Es geht wieder aufwärts, sollte man meinen. Doch weit gefehlt, die Arbeitslosenzahl steigt nach Meinung der Fachleute eher weiter an. Ein Widerspruch? Keineswegs, unser Wirtschaftssystem funktioniert nur bei einem jährlichen Wachstum ab 3% reibungslos.
Inzwischen fragt sich aber auch schon mancher Laie, wohin wir denn noch wachsen wollen. Ist ein immer mehr, immer schneller, immer weiter wirklich der erstrebenswerte Weg? Oder müssen wir umdenken? Liegt nicht unser tatsächliches wirtschaftliches und soziales Problem in der Verteilung und der Belastung des Faktors Arbeit?
Die Wissenschaftler prophezeien trotz Wachstum, welches wir übrigens in den vergangenen Jahren immer hatten, mehr Arbeitslose. Die Politiker in Bund und Land fordern längere Arbeitszeiten von denen, die noch im Erwerbsleben stehen! Die Beitragszahler für die Sozialversicherungen werden noch weniger werden. Die Folge: Rente – weiter kürzen, Krankenversicherung – nur noch für Notfälle, Arbeitslosengeld – gestrichen, ihr arbeitet doch sowieso schwarz!
Wir stecken in einem Teufelskreis, den wir mit einem Steuer- und Sozialversicherungssystem aus der Zeit des Beginns der Industrialisierung auch nicht werden verlassen können.
Wann endlich ist auch die große Politik bereit, das was sie predigt auch sozialverträglich umzusetzen? Nämlich ein wirkliches Reduzieren der Lohnnebenkosten, sodass es für einen Unternehmer wieder interessant wird Arbeitskräfte einzustellen. Ein verringerter Kündigungsschutz oder längere Arbeitszeiten bringen uns nicht voran, sie schaffen keinen einzigen Arbeitsplatz mehr.
Solange annähernd 70% der Staats- und Sozialversicherungseinnahmen durch den Faktor Arbeit geleistet werden, kommen wir nicht weiter. Umschichten ist angesagt! Auch die Bereiche Kapital und vor allem der Umwelt- und Ressourcenverbrauch müssen einen, ihrer Mächtigkeit entsprechenden, Anteil tragen. Solange Energie etwa fünfzehn mal billiger als menschliche Arbeit und trotzdem fünfmal produktiver ist, so Dr. Jürgen Grahl von der Universität Würzburg, sind wir auf dem falschen Weg. Hier muss Konkurrenzfähigkeit erreicht werden.
Weiterhin fordert die Globalisierung ihren Tribut, aber nur deshalb weil sie in Wirklichkeit zu einer Amerikanisierung, mit Abbau des Sozialstaates und Stärkung von Wirtschaftsgiganten, verkommen ist. Ist uns bekannt, dass annähernd 20% der US-Bürger ohne Krankenversicherungsschutz leben? Ist dies ein Vorbild für einen Staat mit sozialer Prägung? Frau Merkel, Herr Clement und Herr Stoiber, lösen sie sich aus den Fängen der Großindustrie und setzen sie endlich die richtigen Zeichen!
Mit freundlichen Grüßen
W. Bug
Beisitzer im Landesvorstand Bayern |